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Ray

Wir haben Ray aus einer anderen Einrichtung übernommen, in der er lange Zeit ausschließlich in einem überdachten Zwinger gelebt hat, da er versucht, über Zäune zu springen. Zu seiner Vorgeschichte konnte man uns lediglich sagen, dass er ursprünglich aus Frankreich stammt- nähere Informationen, wie er dort gelebt hat und warum er nach Deutschland vermittelt wurde, bekamen wir nicht.

Ray zeigte sich von Anfang an ungewöhnlich aufgeschlossen allen Menschen gegenüber, auch völlig fremde Personen dürfen in seinen Zwinger gehen und werden entspannt und freundlich begrüßt. Seit wir ihn kennen, gab es nicht eine einzige Situation, in der er eine andere Seite von sich gezeigt hätte, sogar beim Tierarzt, wenn es unangenehm wird, versucht er nicht einmal, sich zu 'verteidigen' sondern ausschließlich, auszuweichen.

Ray zeigte sich als entspannter, insgesamt sehr umgänglicher Begleiter und wurde direkt ein Liebling der Gassigeher. Entsprechend schnell fand sich ein neues Zuhause für ihn und er durfte ausziehen.

Im neuen Heim stellte sich heraus, dass Ray offenbar große Probleme hat, sich in einen normalen Haushalt einzugewöhnen. Er war lange Zeit sehr gestresst, tat sich schwer, sich an seinen neuen Haltern zu orientieren, mochte aber auf der anderen Seite nicht alleine sein und kam im Grunde kaum zur Ruhe. Diese angespannte Grundstimmung wirkte sich auch auf die gemeinsamen Spaziergänge aus: Immer mehr versuchte Ray, seine Leute vor allem, insbesondere aber vor Hunden abzuschirmen und rastete irgendwann geradezu aus, wenn er nur auf weite Entfernung einen Artgenossen sah. So kamen er und seine Besitzer, die nun auch Sorge hatten, ihn vielleicht irgendwann nicht mehr halten zu können, in einen Teufelskreis, da Ray sich durch die entstandene Unsicherheit natürlich noch mehr in der Verantwortung sah, aufzupassen. Leider kam es irgendwann zu einem Vorfall, bei dem sich Ray aus seinem Brustgeschirr befreite, auf einen kleinen Hund zustürmte und diesen schwer verletzte. Aufgrund der nun drohenden Einstufung als Gefahrhund kam er also zu uns zurück und wir bekamen die Chance, ihn einem tierärztlichen Gutachten zu unterziehen. Es wurde festgestellt, dass von ihm keinerlei  Gefahr für die Menschheit ausgeht, er aber durchaus bei mangelnder Führung seitens des Menschen ein Auge auf (vor allem kleinere) Artgenossen werfen könnte. Das Fazit war also keine Einstufung, aber Leinenpflicht und die Auflage, bei Hundebegegnungen einen Maulkorb zu tragen.

Seit er wieder bei uns im Tierheim ist, zeigt Ray sich auch hier deutlich gestresster, als früher. An schlechten Tagen kommt er fast gar nicht zur Ruhe, kann sich nicht hinlegen und nicht fressen. Lediglich im Auslauf ist er ganz der Alte, liegt am liebsten erhöht in der Sonne und beobachtet entspannt, was um ihn herum geschieht. Den Auslauf teilt er sich übrigens problemlos mit anderen Hunden – diesen gegenüber tritt er zwar sehr selbstbewusst auf, versteht es aber, zu kommunizieren und ist im Grunde nicht auf Streit aus. Auch die Spaziergänge sind weitestgehend wieder wie vor der Vermittlung. Er benötigt eben eine klare Führung, die er aber ohne Diskussionen annimmt, dann ist er immer noch der gemütliche Begleiter, der vorbildlich an der Leine geht und sich im Straßenverkehr völlig unproblematisch zeigt.

Wir suchen für Ray ein ebenerdiges Zuhause mit großem, hoch eingezäunten Garten, in dem er relaxen kann. Viele lange Spaziergänge fordert er nicht ein, lässt sich aber durchaus zu einer Runde überreden. Schön wäre es, wenn er nicht viel allein sein müsste, denn er  macht zwar gerne  mal sein eigenes Ding, hat seine Menschen aber dennoch gern in erreichbarer Nähe. Ein ruhiges Rentnerleben würde wahrscheinlich gut zu ihm passen, wobei die Person, die mit ihm spazieren geht, schon standfest sein muss – auch wenn er für einen Kangal recht klein geraten ist, kann er im Zweifel doch ordentliche Kräfte entwickeln. Auch Kinder im Haushalt sollten kein Problem sein, da er sich Menschen gegenüber wirklich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt - wenn er keine Lust auf etwas hat, geht er halt.

Wir hoffen, dass dieser freundliche, im Grunde recht anspruchslose Hund nach seiner langen Reise doch noch die Chance bekommt, irgendwo endgültig ankommen zu dürfen!

Weitere Informationen

  • Rasse: Kangal
  • Geschlecht: männlich, kastriert
  • Alter bei Ankunft: 9 Jahre
  • Im Uhlenkrog seit: 05.08.19
  • Kennzeichnung: Chip
  • Patenschaften:

    Suse Lehmler, Sven Wiemert, Ursula Trautmann

Letzte Änderung am Montag, 03 August 2020 12:07
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