139 Jahre Tierschutzverein Kiel (gegründet 1872)

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 Diese Zeilen schrieb Johann Mayer. Dichter und Mitbegründer des Vereins. Graveur Zins hat das "Clichee" geschnitten und 1875 dem Verein geschenkt.

Wie oft fällt in unseren Reihen voller Resignation die Bemerkung: "Was bringt es denn, wenn man sich einsetzt und kämpft, Zeit und Kraft dafür gibt, damit Not und Elend unter den Tieren gelindert werden; es bessert sich ja doch nichts."- Doch! Vieles hat sich gebessert, auch wenn wir vom Idealzustand noch weit entfernt sind. Im Gegensatz zu den Tieren neigen wir Menschen zur Ungeduld und wollen den Erfolg unserer Arbeit sofort vor Augen sehen. Dabei vergessen wir, dass sich anhaltende Verbesserungen nur ergeben können, wenn wir unermüdlich daran arbeiten die Verantwortung unserer Mitmenschen gegenüber der Kreatur zu verändern, und das ist ein langwieriger Lernprozess für die Menschheit.

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Tierschutzgesetz     

Nach jahrzehnte langen Bemühungen zahlreicher Tierschutzorganisationen erblickten im April 1933 ein Reichsgesetz und Reichsverordnungen zum Schutz der Tiere das Licht der Welt. Tierquälereien wurden von nun an als Vergehen mit Gefängnis bis zu zwei Jahren und/oder Geldstrafe belegt. Der Kieler Tierschutzverein gab im Jahrbuch 1934 den Wortlaut dieser gesetzlichen Bestimmungen heraus.

Das heute gültige Tierschutzgesetz wurde 2006  verabschiedet und weist in etlichen Punkten nach Ansicht des Deutschen Tierschutzbundes, unserer Dachorganisation, gravierende Mängel auf. In den vergangenen Jahren wurde immer wieder eine Novellierung angestrebt, bisher allerdings gab es nur in Teilbereichen geringfügige Verbesserungen.

So ist es leider nach wie vor notwendig, dass Tierschutzvereine existieren, auch der Tierschutzverein für Kiel und Umgebung. Unsere Hoffnung geht jedoch dahin, dass das Verantwortungsgefühl der Menschen sich durch unsere Aufklärung, Beratung und praktische Arbeit - in letzter Zeit zunehmend unterstützt durch die Medien - langsam im Wandel befindet und unsere Arbeit eines Tages nicht länger nötig sein wird.
Bis dahin jedoch sind unsere aktiven Helfer darauf angewiesen, von Mitgliedern und Förderern des Vereins unterstützt zu werden, damit unsere Bemühungen auch in der Zukunft sichtbare Erfolge zeigen.

 

 Pferde     

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Tierschutzwerbung um 1900

Früher:

Pferde waren Arbeitstiere, die bis zu ihrem Tod oder einem Alter, in dem sie nicht mehr leistungsfähig waren, ihre Pflicht tun mussten. Von Reitpferden des Militärs oder höheren Gesellschaftsschichten einmal abgesehen, wurden Pferde unter anderem dazu eingesetzt, den Aushub aus Baugruben mit Wagen, die oft bis zu den Achsen im Schlamm einsanken, abzutransportieren. Dazu wurden sie häufig mit Schlägen angetrieben. Nach langem Bemühen hat es der Kieler Tierschutzverein durchsetzen können, dass Bohlenwege angelegt wurden, auf denen die Pferde ihre Last leichter ziehen konnten.

In Kiel gab es eine Pferdebahn, die auf 2 Strecken verkehrte. Eine fuhr vom Rondeel durch die Holstenstraße, die Brunswiker Straße und die Muhliusstraße bis zur Fleethörn, die andere vom Bootshafen am Wasser entlang bis zum Düsternbrooker Gehölz. Allerdings gab es keine festen Haltestellen. Wollte jemand mitfahren, hielt er die Bahn durch Handzeichen an. Das hatte zur Folge, dass das Pferd unnötig oft neu anziehen musste, ein Kraftakt, der das Tier schnell ermüden ließ. Nach Veranstaltungen wurden häufig viel mehr Menschen in der Bahn befördert, als die Vorschriften es zuließen. Durch Plakate in der Bahn rief der Tierschutzverein dazu auf, dass Fahrgäste einige Schritte zu Fuß gehen sollten, wenn sie feststellten, dass wenige Meter weiter ein anderer Fahrgast ebenfalls ein- oder aussteigen wollte. So wurden den Pferden etliche Male das Anziehen erspart.

Aufkäufer von alten und kranken Pferden wurden ermahnt, die Tiere nicht gegen die Vereinbarungen wieder zu verkaufen, sondern sie unverzüglich der Schlachtung zuzuführen, damit die ohnehin geschundenen und ausgezehrten Tiere von weiterer Qual verschont blieben. Übrigens fuhr auch die Berufsfeuerwehr mit Pferdewagen zum Brandort.

Heute:

Wenn heute bei uns Hinweise über mangelhafte Pferdehaltung eingehen, dann handelt es sich meistens um Reitpferde, die aus Unkenntnis oder Nachlässigkeit ihrer Halter nicht ausreichend versorgt oder untergebracht sind. So führen uns Kontrollbesuche auf Reiterhöfe oder auf Koppeln. Finden wir tatsächlich unzureichende Verhältnisse vor, suchen wir zuerst das Gespräch mit dem Besitzer, klären ihn über artgerechte Haltung auf, leiten auch gegebenenfalls einen Tierarztbesuch in die Wege. Erst wenn unser Hilfsangebot unbeachtet bleibt, sehen wir uns gezwungen, Anzeige zu erstatten oder in dringenden Fällen mit Unterstützung der Ordnungsbehörden je nach Lage der Dinge tätig zu werden.

Hunde     

Früher:

Den häufigsten Grund zur Beanstandung gaben früher die Kettenhunde, die nicht zuletzt deshalb so zahlreich gehalten wurden, weil sie von der Hundesteuer befreit waren. Selten kam so ein Geschöpf einmal von der Kette los. Meistens lagen Kettenhunde bei glühender Hitze ohne Wasser und Schatten in der prallen Sonne. Im Winter saßen sie bei Kälte, Wind und Nässe in einer kaum vor der Witterung schützenden Hütte ohne Einstreu auf dem eisigen oder nassen Boden.

Hunde wurden auch als Arbeitstiere vor Karren und Wagen gespannt und mussten schwere Lasten ziehen. Unermüdlich hat der Tierschutzverein zur Verbesserung der Umstände für diese Tiere aufgerufen und empfohlen, den Hunden im Sommer ein schattiges Plätzchen und Wasser zur Verfügung zu stellen. Für den Winter wurde eine Hütte gefordert, die ausreichend Schutz vor der Witterung bot und mit genügend Einstreu versehen war.

Hunde, die Karren ziehen mussten, sollten nach einem Jahr ausgewechselt, kranke und trächtige Tiere von der Arbeit befreit, kranke oder erschöpfte Hunde nicht mit Peitschenhieben oder Fußtritten zur Arbeit angehalten werden.

Heute:

Hunde werden heute überwiegend als Partner für den Menschen gehalten. Man könnte deshalb glauben, dass die Haltung im allgemeinen kaum Grund zur Beanstandung bietet, aber auch hier sind Unkenntnis oder Nachlässigkeit der Halter bezüglich der Ansprüche, die ein Hund stellt, oft Ursachen für unsere Inspektionen. Gelegentlich ist ein Hundehalter finanziell überfordert, wenn es darum geht, z.B. eine Operation oder die ständige Versorgung mit einem lebensnotwendigen Medikament für sein Tier zu bezahlen. Auch wenn eine Hündin Welpen geworfen hat, sind Halter oft überfordert mit der zusätzlichen Arbeit, ganz abgesehen davon, dass die Wohnverhältnisse eine artgerechte Welpenaufzucht oft unmöglich machen. Unüberlegte Anschaffung oder veränderte familiäre oder berufliche Verhältnisse sind immer wieder die Gründe, aus denen heute Hunde im Tierheim abgegeben werden. Leider werden Hunde auch in Zwinger abgeschoben, wenn sie im Haus lästig werden. Zwar ist die Zwingerhaltung generell erlaubt, es müssen aber bestimmte Vorschriften erfüllt werden.

Auch hier gehen wir bei Beanstandungen so vor, dass wir zuerst Rat und Hilfe anbieten und erst dann, wenn sich die Zustände nicht ändern, weitere Schritte in die Wege leiten.

Große Probleme bereiten uns die sogenannten "Kampfhunde". Bestimmte Rassen oder Kreuzungen sind in Verruf geraten, weil sie bei entsprechender Behandlung und Haltung dazu neigen, vermehrt Aggression zu zeigen. Generell ist unsere Überzeugung die, dass von sich aus kein Hund als "Kampfhund" zur Welt kommt. Er wird vom Menschen zum "Kampfhund" gemacht. Leider ist ein beratendes Gespräch mit solchen Menschen in aller Regel nutzlos oder kommt gar nicht erst zustande, weil es sich dabei um einen Personenkreis handelt, der als gewalttätig und unbelehrbar gilt. Auch Hunde, die in ungeeigneten Händen gehalten werden, und auffällig geworden sind, werden als "gefährliche" Hunde eingestuft und haben es wie die oben genannten "Kampfhunde" sehr schwer, ein neues Zuhause zu bekommen. In Schleswig-Holstein ist ab 01.01.2016 ein  neues Hundegesetz in Kraft getreten.

Von wenigen verantwortungsvollen Züchtern einmal abgesehen, gibt es viele "Vermehrer" von Hunden, die leider nicht immer die gesunden und angenehmen physischen und psychischen Merkmale der Welpen anstreben, sondern bedenkenlos "Modezüchtungen" in großer Anzahl produzieren. Häufig haben diese Tiere nur eine geringe Lebenserwartung oder müssen sich jahrelang mit schweren und schmerzhaften Erkrankungen plagen. Auch hier können wir nur durch Aufklärungsarbeit beim zukünftigen Hundehalter bewirken, dass die Nachfrage nach solchen "Modehunden" immer geringer und die Zucht dadurch unrentabel wird.

Auch der Import von Hunden, bzw. Welpen, aus dem Ausland oder "gekauft" über Internetseiten, machen den Tierschutzvereinen seit einigen Jahren große Probleme, denn nicht selten landen diese Hunde im Tierheim, weil sie nicht den Erwartungen entsprechen oder krank sind.

Katzen     

Früher:

Schon in frühen Jahren gab es eine Abteilung Katzenschutz im Tierschutzverein Kiel, die der Katze die Geltung verschaffen wollte, die ihr ihrer Bedeutung nach zukommt. Durch Vertilgung von Schädlingen bewahrt sie die Menschen vor Schaden. Die Kastration von Katzen wurde gefördert, jedoch noch nicht annähernd so häufig wie heutzutage durchgeführt, weil die Operationsverfahren noch lange nicht so modern wie heute waren. Frisch kastrierte Katzen mussten tagelang einen Verband tragen. Wer das Wesen und Verhalten dieser Tiere kennt, der weiß, mit welchen Problemen das verbunden sein kann. Auch Fäden, die sich selbst auflösen, gab es damals noch nicht.

Verwilderte, herrenlose Katzen wurden eingefangen und getötet.

Heute:

Katzen stellen auch heute noch aufgrund ihrer Vermehrung einen Schwerpunkt im Tierschutz dar. Vorrangiges Bestreben ist heutzutage die Kastration der Tiere, des weiteren aber auch die Versorgung von freilebenden und herrenlosen Katzen an von Privatleuten betreuten und kontrollierten Futterplätzen. Keine geschlechtsreife Katze verlässt unkastriert unser Tierheim und der Tierschutzverein gewährt Zuschüsse zur Kastration von solchen Katzen, die sich in Obhut finanziell minderbemittelter Halter befinden.

Vogelschutz      / Kleintierhaltung

Früher:

Der aktive Vogelschutz gehört vom Anfang bis heute zu den Hauptaufgaben des Vereins. Es wurde eine Vogelschutzkommission gebildet. 1885 und in den Jahren zuvor wurden Nistkästen von der Jugendgruppe des Tierschutzvereins angefertigt und an verschiedenen Verkaufsstellen zum Selbstkostenpreis angeboten. Im Düsternbrooker Gehölz, in der Waldwiese, in Vieburg, in Hammer und anderen Stadtteilen wurden Nisthilfen installiert und kontrolliert. Im Düvelsbeker Gehölz wurde ein knapp 6000 Quadratmeter großer Vogelhain mit Hilfe des Kieler Verschönerungsvereins angelegt.

1875 klagte der Vorstand des Tierschutzvereins über die Unsitte, kleine Vögel als Putz für Damenhüte zu verwenden. Wie stark diese Unsitte verbreitet war, kann man schon daran erkennen, dass alleine ein Pariser Modehaus viele tausend dieser kleinen Sänger für den Zweck verwenden musste. Noch 1898 wird in einem Vorfall in Basel berichtet, wo Schulkinder einer Dame nachliefen und im Chor riefen: "Modedame, Vogelmord!". Die Schöne flüchtete entsetzt in das nächstgelegene Haus. In den Zeitungen wurden Aufrufe des Tierschutzvereins abgedruckt, auf diese Modetorheit zu verzichten.

Heute:

Das Kieler Tierheims ist heute Auffangstation für junge oder verletzte Vögel. Dort warten sie auf ihre Genesung und fachgerechte Auswilderung. Vielfach werden heute Vögel aller Größen von Autos angefahren, aber auch in besonders kalten und langen Winterperioden kommen Vögel zu Schaden, wenn sie keine Nahrung finden. Gelegentlich schafft es ein Vogel, einem Marder oder Iltis oder auch einer Katze zu entkommen. Meistens ist er dann aber verletzt. Wenn der Tierarzt keine Aussichten auf Genesung sieht, wird ein verletzter Vogel eingeschläfert. Die meisten jedoch kommen durch fachkundige Pflege und Fürsorge wieder zu Kräften. Wildvögel werden dann in Freiheit entlassen oder an einen geeigneten Ort gesetzt, wobei es gelegentlich vorkommt, dass der Vogel am nächsten Tag wieder über seiner bisherigen Voliere kreist und auf das Frühstück wartet.

Sogenannte Stubenvögel, die ihren Besitzern entflogen sind, werden ins Tierheim eingeliefert, aber leider fragen unserer Meinung nach zu wenige Menschen nach ihrem entflogenen Liebling. Nach der vorgeschriebenen Aufbewahrungsfrist von 7 Tagen suchen die Tierheimmitarbeiter ein neues gutes Zuhause für die gefiederten Freunde. Das gilt übrigens auch für alle Vierbeiner, die im Tierheim landen. Jedes gesunde und gutartige Tier hat hier unbegrenzte Möglichkeit, in eine geeignete Familie gegeben zu werden.

Kleintierhaltung

Wurden früher viele Kleintiere, Kaninchen,Geflügel, ... , als Nutztiere gehalten, so leben sie heute häufig als Familienmitglieder in Haus und Garten. Auch hier ist viel Aufklärung notwendig, da diese Haustiere in der Regel gesellige Tiere sind und eine Einzelhaltung nicht artgerecht ist. Mit Besorgnis sehen wir seit einigen Jahren, dass immer mehr Menschen Exoten, Reptilien u.a. halten, ohne die dafür notwendigen Kenntnisse und Unterbringungsmöglichkeiten zu haben.Diese Tierhaltung wird uns in den kommenden Jahren viele Probleme bereiten.

Allgemeiner Tierschutz     

Der Tierschutzverein beschäftigte sich unermüdlich mit der Findung der geeignetsten Tötungsart, die den Tieren so wenig Schmerz wie möglich zufügt. Das bezog sich auf Schlachttiere und Haustiere. Früher wurde Hunden und Katzen Blausäure eingegeben oder eingespritzt.

Dem Verband der Schleswig-Holsteinischen Tierschutzvereine gelang es 1892, eine Polizeiverordnung für das Viehschlachten zu bewirken, die vorschrieb, dass das Schlachten mit Ausnahme des Federviehs nur nach Betäubung durch Kopfschlag oder durch Anwendung von Apparaten geschehen durfte, die den sofortigen Tod des Tieres herbeiführten.

Heute werden Schweine durch Elektroschock, Rinder durch einen Bolzenschuß ins Hirn betäubt. Haustiere erhalten heute meistens in Narkose eine Injektion, die den Herzstillstand bewirkt.
Schon in seinen Anfangsjahren forderte der Verein die Errichtung eines öffentlichen Schlachthauses. Bei den damals weit verbreiteten Hausschlachtungen ließen sich Tierquälereien häufig nicht vermeiden. Das blutige Spülwasser in den Rinnsteinen brachte Gefahr von Epedemien mit sich. Oft wurden kranke Tiere geschlachtet und ohne Bedenken zum Verzehr angeboten.

Das Schächten ist eine rituelle Schlachtung nach jüdischen Religionsgesetzen, bei der die Halsschlagader, Luftröhre und Speiseröhre eines Tieres mit einem scharfen Messer schnell durchtrennt werden, damit das Tier vollständig ausbluten kann. Die vorherige Betäubung des Tieres ist aus religiösen Gründen unzulässig.

Schon 1881 wurde ein Verbot des betäubungslosen Schächtens gefordert. Damals gab es bereits im Schweizer Kanton St. Gallen ein Schächtverbot, das sich auf Gutachten von Rabbinern und Tierärzten stützte. 1892 wurde das betäubungslose Schächten in Sachsen verboten, 1893 durch Volksabstimmung in der gesamten Schweiz.

In Preußen jedoch ließ sich die Forderung der Tierschützer nicht durchsetzen, der Antrag löste Proteste der jüdischen Gemeinden aus. Noch heute hält der Kieler Tierschutzverein an seinem Standpunkt fest, dass das betäubungslose Schächten eine Tierquälerei darstellt.

Die Königliche Regierung hatte in Schleswig 1875 eine Polizeiverordnung erlassen, die die Schonung des Viehs auf Transporten regeln sollte. Sie schrieb vor, daß alle zur Beförderung benutzten Fuhrwerke so geräumig sein mussten, dass die Tiere nebeneinander stehen oder liegen konnten, ohne gepresst oder gescheuert zu werden. Während des Transports durften sie nicht ohne Not geknebelt werden oder aufeinander liegen. Brutale Behandlung beim Treiben, insbesondere das Treiben mit bissigen Hunden, das Drehen der Schwänze und das übermäßige Prügeln waren verboten.

Der Versand lebender Gänse in sogenannten Etagenwagen auf weiten Strecken war an der Tagesordnung. Die Tiere saßen in drangvoller Enge, wurden weder gefüttert noch getränkt. Kein Transport kam ohne erdrückte Tiere an. Der Tierschutzverein empfahl den Transport der Gänse in übereinander stapelbaren Käfigen, bei denen die Gefahr des Erdrücktwerdens ausgeschlossen war, in denen gefüttert und getränkt werden konnte. Gewarnt wurde vor dem Versenden lebender Tiere als Nachnahme. Wenn der Empfänger die Sendung aus irgendeinem Grund verweigerte, ging das Tier an seinen Ausgangsort zurück und es vergingen mehrere Tage, bis die arme Kreatur die Rückreise antreten konnte, sodass das mitgegebene Futter nicht ausreichte.

Schon früh beschäftigte sich der Tierschutzverein Kiel mit dem Kampf gegen Versuche an lebenden Tieren. 1825 konnten die norddeutschen Tierschutzvereine mit Befriedigung feststellen, dass der Preußische Kultusminister in einem Erlass die Vivisektion an den medizinischen Fakultäten auf ein unbedingt notwendiges Maß reduzieren ließ. Später wurde dieser Erlass auf die tierärztlichen und landwirtschaftlichen Hochschulen ausgedehnt. Auch heute spricht sich der Kieler Tierschutzverein gegen Tierversuche aus, vor allem, weil der überwiegende Teil aller Versuche bereits durch Alternativmethoden ersetzt werden kann. Der Verein distanziert sich jedoch ausdrücklich von den militanten Tierschützern, die mit ihren Methoden Verwirrung in den Tierschutz gebracht haben.

Öffentlichkeitsarbeit     

1921 und 1925 wurden bereits in Kiel auf Bitten des Tierschutzvereins Tiergottesdienste abgehalten. Nach Ende des 2. Weltkrieges konnte der Verein sich verstärkt der Öffentlichkeitsarbeit widmen, überwiegend in Form von Filmvorführungen und Vorträgen. Eine Jugendgruppe wurde 1954 gegründet und bereits 2 Jahre später gehörten ihr 66 Mitglieder an. Man führte u. Vorträge und Wanderungen durch.

Heute veranstaltet der Tierschutzverein monatlich Informationsstände in der Kieler Innenstadt. Im mittlerweile über 40 Jahre alten Tierheim wird auch Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Einmal im Monat öffnet das Heim zusätzlich zu den Öffnungszeiten mit einem Flohmarkt seine Türen. Außerdem können Gruppen an Tierheimführungen mit sachkundigen Erläuterungen teilnehmen. Seit 2009 hat der Tierschutzverein wieder eine aktive Jugendgruppe. Seit 1999 nutzt der Tierschutzverein das Medium Internet, um sich der überregionalen Öffentlichkeit zu präsentieren und Mitgliedern einen schnellen Zugriff auf aktuelle Termine und Neuigkeiten zu bieten.

Das Kieler Tierheim am Uhlenkrog     

Tierliebe und Engagement der Mitglieder des Tierschutzvereins waren ohnehin Voraussetzung für das, was unser Tierheim heute ist und leistet.

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1965: So soll einmal das Tierheim Uhlenkrog aussehen ...

Der Beginn der Planung für einen Tierheimbau lag etwa im Jahr 1953. Der Wunsch muss schon länger bestanden haben, doch finanzielle Möglichkeiten waren nicht gegeben. So begannen 1958 langwierige Verhandlungen mit der Stadt Kiel um Finanzierungshilfe. Im Protokoll der Vorstandssitzung von 1962 heißt es von Emil Lübcke: "Das Tierheim liegt uns sehr am Herzen, zumal es sich herausgestellt hat, dass die Kleintiersammelstelle des städtischen Stadtreinigungs- und Fuhramtes in der Gutenbergstraße an einigen Unzulänglichkeiten krankt und auf die Dauer doch nur als Provisorium angesehen werden kann."

Die -vorsichtig ausgedrückten- "Unzulänglichkeiten" bestanden darin, dass herrenlose Hunde nach spätestens 9 Tagen, eingelieferte Katzen in der Regel sofort getötet wurden und das durch Strom, Gas oder Bolzenschuß. Dabei wurden gerade die Katzen oft nur schwer verletzt und verendeten dann qualvoll. Die Hunde waren in winzigen Verschlägen untergebracht, die ganze Anlage war nicht beheizbar.

Stadtrat Westphal bezeichnete dann auch die Kleintiersammelstelle als "Ort, der in erster Linie der Aufnahme von Kleintieren zum Zwecke der Tötung diente".

Der Tierschutzverein kritisierte immer wieder öffentlich diese Zustände und machte laufend Eingaben bei der Stadt Kiel um Zuweisung eines geeigneten Geländes für den Tierheimbau und um Finanzhilfe. 1963/64 stand die erste Planung, ein Wunschtraum von einem Tierheim. Alles das, was wir im Laufe der Jahre nach und nach verwirklichen konnten, sah auf der Zeichnung des Architekten schon recht schön und zweckmäßig aus. Aber es sollte noch ein weiter Weg werden!
Max Leisner, der damalige 1. Vorsitzende, wurde nicht müde, mit vehementen Aufrufen in der Öffentlichkeit, mit Schreiben an die Stadt Kiel den Tierheimbau zu fordern. Der Verein veranstaltete Umzüge, Sammlungen, tat bei Kieler Firmen und Banke alle Quellen auf, um an Geld zu kommen.

1968 führte Max Leisner auch immer wieder das Argument ins Feld, dass Kiel, wo 1972 die Segelolympiade stattfinden sollte, als Olympiastadt doch unbedingt ein Tierheim brauche. Schon deshalb, weil die Segler und Besucher vielleicht ihre Hunde in Pension zu geben wünschten.

Spendenaufruf 1971

Aufgrund der unermüdlichen Bemühungen des Tierschutzvereins vergab nun endlich die Stadt Kiel das 1,5 Hektar große Grundstück am heutigen Uhlenkrog für 99 Jahre in Erbpacht an den Verein. Es war zwar günstig gelegen, so dass die Stadt keine Klagen von Nachbarn wegen Lärmbelästigungen zu fürchten brauchte, aber erst 1970 wurde eine Zufahrtstraße, der Uhlenkrog, gebaut.

Die Erschließungskosten waren gewaltig. Sie verschlangen das gesamte angesparte Vereinsvermögen. Dem Vorstand unter Max Leisner gelang es, die Finanzierung für das 400.000,-DM-Projekt über Darlehen zu sichern und mit viel Mühe wurde mit dem Tierheimbau begonnen. Verwirklicht werden sollte erst ein Minimum dessen, was ursprünglich geplant war.

1971 war die Grundsteinlegung und im August 1972 zogen die ersten Tiere in das Heim ein. Am 7. Oktober 1972 war dann aus Anlass der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Tierschutzvereins für Kiel und Umgebung die feierliche Eröffnung unseres Tierheims.

Es bestand damals aus dem Hundehaus mit 32 Boxen, Wirtschaftsräumen und dem Tierpflegerwohnhaus.

Nach diesem ersten Erfolg begann ein neues Ringen mit der Stadt. Damit die Kleintiersammelstelle in der Gutenbergstraße endlich geschlossen werden konnte, musste ein Vertrag zwischen der Stadt und dem Tierschutzverein ausgehandelt werden. Durch diesen sollten dem Verein die Hoheitsaufgaben der Stadt (Aufnahme und Verwahrung von Fundtieren) übertragen werden. Der Vertrag konnte dank des Verhandlungsgeschicks der neuen 1. und 2. Vorsitzenden, Hans Steinert und Holger Lüth, am 1.1.1974 in Kraft treten. Bedingung war der Bau eines Isolierhauses, wobei die Stadt Kiel Schuldenhilfe leistete. Außer dem Isolierhaus waren 2 gebrauchte Holzhäuschen angeschafft worden. Das eine diente als Büro. das andere wurde mit Käfigen zur Unterbringung von Katzen ausgestattet.

So konnte der Betrieb zunächst einmal laufen. Unser Tierheim wurde dann immer mehr bekannt und bot eine Bleibe für immer mehr Tiere. Von Jahr zu Jahr waren wir froh und dankbar, dass wir durch uns zufließende Spenden und Legate unsere Tiere ausreichend versorgen konnten und sogar Rücklagen machen konnten. Wir wünschten uns anstelle der im Winter bitterkalten und zu kleinen Baracken ein solides Katzen- und Bürohaus. Geduld und Zeit zum Sparen wurden uns aufgezwungen, als 1979 verlautete, dass der Autobahnzubringer vom Norden zur A7 durch das Tierheimgrundstück führen solle. Erst 1983 fiel die Entscheidung, dass  das Tierheim unangetastet bleiben würde. Nun konnten wir beginnen zu planen und im April 1985 stand unser schönes kombiniertes Büro- und Katzenhaus.

Die Katzen bekamen gemütliche Katzenstuben mit sonnigen Ausläufen. Sitzbretter an den Wänden ermöglichten es ihnen zu springen, was bei relativ enger Unterbringung wichtig ist. Das Technische Hilfswerk versetzte die beiden Holzhäuser in den hinteren Bereich des Geländes. Das ehemalige Bürohaus stellten wir unserer Jugendgruppe zur Verfügung, das ausgediente Katzenhaus wurde zum Taubenschlag umfunktioniert.

Im Laufe der Jahre konnten wir überhaupt durch kleinere und nicht zu kostspielige Maßnahmen erreichen, dass wir auch andere Tierarten gut unterbringen können. Es wurden ein Huftierunterstand, ein dreiseitig geschlossener Holzbau zur Aufnahme von verletzten Wildtieren , ein Raum mit einem Wasserbecken und geschlossenem Freigehege für verletzte Wasservögel gebaut und ein Teich für Enten, Schwäne und anderes Wassergeflügel angelegt. Inzwischen konnten wir sogar einen Brunnen bohren lassen, so dass immer frisches Wasser in den Teich gepumpt werden kann.  4 große Volieren mit Schuzhäusern wurden errichtet.  Manch ein von den Tierpflegern  gesundgepflegter Greifvogel und Waldkauz konnte dort auf seine Entlassung in die Freiheit vorbereitet werden. Aber auch Hühner, Gänse, Pfauen, Rabenvögel, Möwen und viele andere Vögel, die später wieder freigelassen werden konnten, waren in den Volieren gut untergebracht.

Trotz all dieser Verbesserungen haben wir sparsam gewirtschaftet, seit Jahren das Ziel vor Augen, auch einmal eine Quarantänestation für die Aufnahme neuer Tiere und eine richtige Krankenstation zu schaffen. Bislang konnten wir kranke Tiere oft nur recht provisorisch unterbringen, hatten auch kaum ein ruhiges Plätzchen für ein Muttertier mit seinen Jungen.

Aber alle Sparsamkeit hätte nichts genützt, wenn nicht großzügige Tierfreunde uns mit zum Teil beachtlichen Spenden bedacht oder in ihren Testamenten zu Erben oder Miterben eingesetzt hätten. Wir sind diesen Menschen sehr dankbar und werden ihre Namen, auch wenn einige gar nicht genannt werden wollten, nicht vergessen!

1994 war es dann soweit: Wir konnten die Quarantänestation bauen lassen und 1996 dank einer besonders großen, zweckgebundenen Spende sogar die so wichtige Krankenstation erstellen. Das war also über 30 Jahre später als zum Zeitpunkt der ersten Planung durch den damaligen Vorstand, der immer wieder gesagt hatte: "Kiel braucht ein Tierheim!".

Sicher hat es auch sein Gutes, das wir diese Bauten erst jetzt, dafür aber nach moderner Bautechnik und einer sorgfältigen Planung, in die jahrzehntelange Erfahrungen eingeflossen sind, erstellen konnten.

Der Traum von einem schönen, zweckmäßigen Tierheim ist also tatsächlich wahr geworden und wir sind sehr dankbar dafür. Da Träumen und Wünschen nicht verboten ist, hofften wir für Anfang des neuen Jahrtausends auf ein neues Hundehaus oder die Sanierung des vorhandenen, da dieses den Ansprüchen an Wärmeisolierung und massiver Bausubstanz nicht mehr genügte. Auch dieser Traum ging 2001 in Erfüllung. Doch das neue Hundehaus wurde teurer als geplant, und nun war Sparen angesagt. So hatten wir uns in den darauffolgenden Jahren mit der Sanierung der schon älteren vorhandenen Gebäude, wie Wohnhaus und Isolierstation befasst. 2003 errichteten wir für Huftiere eine Wiese mit Unterstand. Da sich die Anzahl der aufgenommenen Katzen von Jahr zu Jahr erhöhte, wurde 2004 hinter dem Katzenhaus ein Freigehege für Katzen gebaut, sodass wir unsere Aufnahmekapazität erhöhen konnten. Unsere neugegründetet Jugendgruppe erhielt 2007 eine eigenes Jugendhäuschen, gesponsert durch die Bingo-Lotterie.

2009 haben wir einen Teil der Hunde-Sommerboxen für die Unterbringung der kleinen Katzen hergerichten. Die Hundeauslaufflächen sind  2009 durch Stellwände, Holztische ... aufgewertet. worden. Außerdem haben wir die Räume in unserer Quarantänestation endlich fliesen können.

2010 haben wir mit der Planung eines Tierschutzhauses begonnen, und im März 2012 ging es los. Das alte Hundehaus wurde nach 40 Jahren abgerissen und am 11.11.2012 haben wir die Einweihung des Tierschutzhauses gefeiert. Im  Erdgeschoss leben Hunde und im Obergeschoss Katzen. Da das Haus nicht für Besucher zugängig ist, sind Tiere, die stressanfällig sind und Ruhe benötigen in dem Neubau untergebracht.

Im Jahr 2015 haben wir eine alte Wasservogelvoliere abgerissen und durch eine vielseitig nutzbare Voliere ersetzt. Ein schönes Wasserbecken lädt verletzte Wasservögel zum Baden und Schwimmen ein und wenn die Tiere sich erholt haben werden sie wieder ausgewildert. Ende 2015 wurden die mittlerweile über 30 Jahre alten Hundesommerboxen entkernt und neu hergerichtet. So können ab Frühjahr 2016 Hunde wieder auf der Vorderseite einquartiert werden und die Rückseite wird bis zum Sommer mit Katzenkindern besetzt sein.

Das Jahr 2016 steht ganz im Zeichen der "Problemhunde". Unsere große Wiese wird als Kombiwiese hergerichtet, es wird eine Drainage gelegt und alles wird hoch eingezäunt. So können wir bei Bedarf Nutztiere dort einquartieren oder mit den Tierheimhunden trainieren, spielen...  .Die Hundehäuser sind für Besucher geschlossen worden, und wir erhoffen uns dadurch weniger Stress für die Tiere. Interessenten werden individuell beraten und die Hunde werden einzeln vorgeführt und können dann auf der Kombiwiese die neuen Menschen kennen lernen.

Stand 28.01.16  Ingrid Boldt / Elisabeth Haase

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